Retouren entsorgt: 2018 wurden rund 20 Millionen zurückgeschickte Artikel vernichtet


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Was passiert eigentlich mit der Ware, die Kunden an Onlinehändler zurücksenden? Werden diese repariert, aufgearbeitet und neu verpackt wieder in Umlauf gebracht? Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg hat sich dem Thema angenommen.

Retouren sind wohl nach wie vor ein Problem. Einerseits kosten sie den Onlinehandel jede Menge Geld, denn schließlich wird die Ware versendet und wieder zurück gesendet. Viele Onlinehändler übernehmen sogar die Kosten für die Rücksendung, obwohl sie das nicht müssten. Onlinehändler aus dem asiatischen Bereich wie Wish oder Vova haben das Thema Retouren für sich selbst ganz einfach gelöst. Sie überlassen die Produkte dem Kunden oft kostenlos oder erschweren die Rückgabe so, dass es praktisch keine Rücksendungen gibt. In Deutschland ist das beim Onlineshopping noch nicht üblich.

Doch die Kosten für den Versand und die damit einhergehende Umweltbelastung ist nur ein Problem. Fraglich ist auch, was die Händler mit der zurückgeschickten Ware tun. Freilich gibt es die Möglichkeit, die Artikel zu reparieren oder zu überprüfen und anschließend als Gebrauchtware wieder zu verkaufen. Das wird teilweise auch gemacht. Doch in vielen Fällen gibt es laut der aktuellen Studie der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Otto-Friedrich-Universität Bamberg keine Alternative zu einer Entsorgung der Artikel. Im Klartext: Die zurückgesendete Ware landet auf dem Müll.


In 2018 wurden rund 20 Millionen Artikel entsorgt – Warum?

Die Wissenschaftler der Universität Bamberg haben einige betroffene Unternehmen gefragt und die Antworten ausgewertet. Danach wurden im Jahr 2018 schätzungsweise 20 Millionen retournierte Artikel entsorgt. Dafür gab es ganz verschiedene Gründe. Rund die Hälfte der Artikel, also 10 Millionen, waren für eine Wiederaufbereitung technisch nicht geeignet.

In rund 40 % der Fälle (rund 7,5 Millionen Artikel) wäre es für den Händler theoretisch möglich gewesen, die Ware zu verwerten. Beispielsweise könnte diese gespendet werden. Doch auch das wird nicht getan. Die befragten Unternehmen gaben an, dass kein Drittverwertungsmarkt vorhanden war, die weitere Verwertung unwirtschaftlich  oder zu aufwendig und risikoreich sei.

Und dann gibt es offenbar noch Marken- und Patentinhaber, die dem Händler eine weitere Verwertung verbieten. Rund eine Million Artikel werden allein aus diesem Grund entsorgt.

Hierbei handelt es sich um eine unnötige Verschwendung von Ressourcen und ist unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit äußerst bedenklich.Forschungsgruppe Retourenmanagement der Otto-Friedrich-Universität Bamberg


Geringwertige Produkte werden schneller entsorgt

In die Entsorgung gelangen laut der Umfrage vor allem niedrigpreisige Artikel mit einem Warenwert von weniger als 15 Euro. Interessant ist allerdings, dass rund die Hälfte der befragten Unternehmen keine Kenntnisse über die genauen Kosten für die Entsorgung haben. Das bedeutet, dass die Entsorgung für die Händler wohl wirtschaftlich nicht besonders spürbar ist. Laut der Befragung schätzen die Händler, die Angaben gemacht haben, die Kosten für die Entsorgung auf 85 Cent pro Artikel ein.

Aufgrund günstiger Entsorgungsmöglichkeiten und der vorhandenen Intransparenz (Kunden können nicht nachvollziehen, was mit den Retouren passiert) bestehen bislang wenige Anreize, sich intensiver mit der Thematik auseinanderzusetzen.Forschungsgruppe Retourenmanagement der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Denkbar wäre in der Zukunft mehr Anreize für Händler zu schaffen, damit diese sich für eine geringere Entsorgungsquote einsetzen. Das kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen. So ist die Schaffung eines Nachhaltigkeits-Siegels für das Retourenmanagement oder die Verteuerung der Entsorgung eine Option.



Insgesamt verwerten Händler Retouren dennoch gut

Bei den bereits genannten Zahlen handelt es sich lediglich um Ergebnisse aus den befragten Unternehmen. Diese Werte sind zwar extrem hoch und sollten für ein Umdenken sorgen, lassen sich aber nicht auf den Gesamtmarkt übertragen. Insgesamt fällt der Anteil der entsorgten Retouren mit 3,9 Prozent gering aus, was ein starkes Indiz dafür ist, dass viele Händler eine vorbildliche Verwertung durchführen. Allerdings handelt es sich bei den 3,9 Prozent immer noch um einen Warenwert von 2,5 Milliarden Euro.  Eine Entsorgung ist demnach insgesamt die Ausnahme, nicht die Regel.

Was halten Sie davon?

Finden Sie die Entsorgung zurückgesendeter Waren in Ordnung oder sollte der Gesetzgeber hier eingreifen? Wie könnten die Waren aus Ihrer Sicht verwertet werden? Über die Kommentare unter dem Artikel können Sie mit anderen Lesern über das Thema diskutieren.


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