Unterdrückte Telefonnummer identifizieren – Geht das?


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Bei fast jedem Anruf sehen Sie Telefonnummer des Anrufers im Display. Durch diese praktische Funktion wissen Sie schon vor der Gesprächsannahme, wer Sie anruft. Doch wie können Sie selbst Ihre Privatsphäre schützen, indem Sie Ihre Telefonnummer nicht übermitteln. Welche Probleme und Risiken gibt es bei der Rufnummernunterdrückung?

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Die Rufnummernübermittlung ermöglicht eine schnelle und eindeutige Identifizierung des Anrufers. Aber nicht immer ist es von Vorteil, wenn die eigene Rufnummer übertragen wird. In bestimmten Berufen ist es wichtig, seine Identität auch bei einem Telefonat zu schützen. Recherchieren Journalisten oder ermitteln Privatdetektive, schalten sie die Rufnummernübermittlung ab oder setzten eine Software zum sogenannten Call ID Spoofing ein. Dabei wird die angezeigte Telefonnummer manipuliert.

Können Sie Ihre eigene Rufnummer unterdrücken?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. In Smartphones und in einigen Festnetztelefonen gibt es in den Einstellungen sogar eine Funktion für die Rufnummernunterdrückung. Beim iPhone heißt sie beispielsweise „Anrufer-ID senden“. Ist die Funktion eingeschaltet, wird die Rufnummer übertragen. Ist sie deaktiviert, steht beim Gesprächspartner „unbekannt“, „anonym“ oder Ähnliches im Display.

Gibt es diese Funktion nicht, können Sie einen Code verwenden, der Ihre Rufnummer für einen einzelnen Anruf oder dauerhaft zu unterdrücken. In Smartphones können Sie diese Codes natürlich auch verwenden.

Funktion Tastencode auf dem Telefon
Übermittlung der Rufnummer abschalten *31#
Übermittlung der Rufnummer einschalten #31#
Übermittlung für einen Anruf abschalten *31#Telefonnummer (z.B. *31#0176123456789)
Übermittlung für einen Anruf einschalten #31#Telefonnummer (z.B. #31#0176123456789)
Statusüberprüfung *#31#

Die einmalige Übermittlung oder Abschaltung der Rufnummer ist abhängig vom Telefonanbieter und/oder vom benutzten Telefon. Sie funktioniert nicht in jedem Fall. In unserem Test wurde nur der eingegebene Code übermittelt und die jeweilige Funktion bestätigt. Die nachfolgende Rufnummer wurde nicht erkannt und nicht gewählt.



Wird die Rufnummer in jedem Fall unterdrückt?

Diese Frage müssen wir mit einem klaren NEIN beantworten. Rufen Sie bestimmte Telefonnummern an, wird die von Ihnen unterdrückte Rufnummer dennoch angezeigt. Dies geschieht beispielsweise bei einem Notruf. Rufen Sie die 110 oder 112 an, wird Ihre Rufnummer auch dann angezeigt, wenn Sie die Rufnummernübermittlung ausgeschaltet haben. Es gibt also keine sichere Möglichkeit, die Telefonnummer in jedem Fall zu unterdrücken.

Aber wie ist das möglich? Das ergibt sich aus der Funktionsweise der Rufnummernübermittlung. Ihre Rufnummer wird bei jedem Telefonat übermittelt. Ob Sie das wollen oder nicht. Das sogenannte Dienstmerkmal, die Unterdrückung der Rufnummer wird mitgesendet, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen ignoriert werden. Dies ist allerdings nur Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) vorbehalten. Andere Anschlussinhaber dürfen das mitgesendete Dienstmerkmal nicht umgehen, um die Rufnummer angezeigt zu bekommen. Dies ergibt sich aus dem § 102 Telekommunikationsgesetz (TKG).  Diese Vorgänge überwacht die Bundesnetzagentur.

Trotzdem erleben wir immer wieder, dass unseriöse Unternehmen oder Call Center Software einsetzen, die die Identifizierung eines Anrufers trotz unterdrückter Telefonnummer ermöglicht. Das bedroht selbstverständlich Ihre Privatsphäre.


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Halten sich alle an das Telekommunikationsgesetz?

Aus eigener Erfahrung können wir ganz klar sagen, NEIN, nicht alle halten sich daran. Einem Mitglied unserer Redaktion erging es so. Ein Anruf im Rahmen einer Fakeshop-Recherche beinhaltete auch ein Telefonat mit einer Servicehotline. Wie gewohnt wurde vor Beginn des Telefonates die Übertragung der Rufnummer abgeschaltet und sogar getestet. Der Mitarbeiter der Hotline sicherte uns zum Ende des Gespräches einen Rückruf zu und fragte unter Nennung unserer Telefonnummer, ob wir unter dieser Nummer zu erreichen wären. Auf Rückfrage konnte uns der Mitarbeiter keine Auskunft geben, warum er unsere eigentlich unterdrückte Nummer angezeigt bekam.

Eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur führte leider auch nicht zum gewünschten Erfolg. Nach Anhörung des Callcenterbetreibers wurde der Vorfall auf einen technischen Fehler oder auf das Unvermögen unseres Redakteurs geschoben.

Die bei einem Anruf übertragene Rufnummer führte zu einem weiteren Betrugsfall mit vielen Opfern. Wir haben darüber bereits vor einiger Zeit berichtet. Verbraucher hatten auf ein Inserat in einer Zeitung reagiert und eine Festnetznummer in Deutschland, Österreich oder eine Handynummer angerufen. Hier wurden Dienstleistungen aus dem Bereich der Erotik angeboten. Mehrere Opfer versicherten uns, dass sie mit unterdrückter Rufnummer angerufen und den Service nicht in Anspruch genommen haben. Dennoch resultierte daraus eine Rechnung für Erotikdienste aus Tschechien oder eine Mahnung für einen Telefonsex-Anruf. Wir haben das nachgestellt und können bestätigen, dass unsere Testrufnummer dem Anbieter trotz Rufnummernunterdrückung bekannt war.



Unser Fazit

Sie müssen sich beim Anrufen immer im Klaren sein, dass auch bei eingeschalteter Rufnummernunterdrückung eine Übermittlung Ihrer Telefonnummer stattfindet. Das Dienstmerkmal der unterdrückten Nummer kann mit technischen Mitteln umgangen werden.

Haben Sie auch Erfahrung mit einer übermittelten Telefonnummer trotz eingeschalteter Rufnummernunterdrückung? Teilen Sie diese Erfahrung mit uns und den Lesern in einem Kommentar unter dem Artikel.

Lesen Sie in einem weiteren Artikel, ob die angezeigte Telefonnummer gefälscht werden kann. Wir erklären, ob Kriminelle anstelle ihrer tatsächlichen Telefonnummer eine beliebige Rufnummer anzeigen könnten.


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2 Kommentare zu Unterdrückte Telefonnummer identifizieren – Geht das?

  1. Wir haben mit einer deutschen Servicehotline die gleichen Erfahrungen gemacht wie Ihre Redaktion und uns daraufhin telefonisch an die Bundesnetzagentur gewandt. Dort fühlte sich niemand zuständig und wir wurden mit unserer Anfrage regelrecht abgewimmelt.

  2. Bei der Telekom habe ich vor Jahren erfahren, dass die Rufnummer bis zur letzten beteiligten Vermittlungsstelle übertragen wird und erst dort das Merkmal Unterdrückung der Rufnummer ausgewertet wird. Benötigt wird das zum einen wegen der Notrufe, zum anderen zur Ermittlung bösartiger Anrufe (früher gab’s dafür die Fangschaltung). In den heutigen VOIP Netzen ist das wahrscheinlich ähnlich realisiert. Ob jeder Netzbetreiber (zumal im Ausland) das Merkmal richtig auswertet kann sich jeder selbst überlegen.