Wohnungssuche: Betrüger stehlen Ihr Gehalt und missbrauchen Ihre Daten

Abzocke Wohnungsvermietung
(Quelle: pixabay.com/geralt)

Bei der Wohnungssuche über Immobilienportale müssen Sie sich auch auf Betrüger einstellen. Diese wollen wie immer an Ihr Geld. Das gelingt oft via Vorschussbetrug. Doch einige Kriminelle bedienen sich gleich an Ihrem Gehalt. Wie erklären die Masche und wie Sie sich schützen.

Sie benötigen eine neue Wohnung? Dann führt Sie Ihr Weg wahrscheinlich ins Internet auf bekannte Portale mit Wohnungsanzeigen. Diese finden Sie beispielsweise auf immobilienscout24.de, immowelt.de oder meinestadt.de. Doch auch auf Kleinanzeigenportalen wie ebay-kleinanzeigen.de, quoka.de oder willhaben.at werden Mietwohnungen angeboten.

In unserem Ratgeber haben wir Ihnen die häufigsten Betrugsmaschen bei der Wohnungssuche bereits ausführlich vorgestellt. Oft geht es einfach nur darum, dass die Kriminellen per Vorkasse für Schlüssel oder über die Kaution an Ihr Geld möchten. Etwas unauffälliger gehen Betrüger vor, die den potenziellen Mietern das Gehalt klauen. Das ist besonders dreist und die Opfer bemerken den geklauten Lohn zunächst nicht.

So funktioniert die Masche mit dem Gehaltsklau

Alles beginnt wie immer mit einer Wohnungsanzeige. Der Mietpreis kann besonders günstig sein, muss es aber nicht. Vor allem in Regionen mit Wohnungsmangel, wie in München oder Berlin, bewerben sich auch für Mietwohnungen zum Normalpreis genügend Wohnungssuchende. Jeder ist froh, wenn er mindestens in die engere Wahl oder sogar den Zuschlag bekommt.

Auch bei seriösen Immobilienmaklern und Vermietern ist es nicht unüblich, dass diese vor Abschluss des Mietvertrages eine Selbstauskunft anfordern. Und genau diese nutzen auch Kriminelle aus. Häufig wird auch ein Gehaltsnachweis für die letzten Monate und eine Kopie des Personalausweises angefordert. Wohnungssuchende übermitteln die Daten gern, wenn sie in die engere Wahl kommen. Doch das kann ein großer Fehler sein, wenn Sie bestimmte Vorsichtsmaßnahmen nicht beachten.

Gelangen Sie an einen Betrüger, nutzt der die Daten missbräuchlich. Besonders interessant könnte die Lohnabrechnung sein. Bei geeigneten Arbeitgebern nehmen die Kriminellen im Namen des Wohnungssuchenden mit dessen Arbeitgeber Kontakt auf. Sie bitten den Arbeitgeber um die Änderung der Bankverbindung. Alle notwendigen Stammdaten und sogar eine Kopie von Lohnabrechnung und Personalausweis haben sie schon. Ändert der Arbeitgeber daraufhin ohne Rücksprache mit dem Beschäftigten die Bankverbindung für die Überweisung des Gehalts, ist das Geld weg.



Wie können Sie sich vor diesem Betrug bei der Wohnungssuche schützen?

Grundsätzlich gelten auch hier die allgemeinen Hinweise, wie Sie eine Abzocke bei der Wohnungsvermietung vermeiden können. Natürlich wäre es am besten, wenn Sie gar keine vertraulichen Daten übermitteln. Doch dann finden Sie womöglich keine Wohnung. Vielmehr raten wir zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

  • Übermitteln Sie vertrauliche Informationen wie die Selbstauskunft, Lohnabrechnungen oder die Kopie des Personalausweises niemals ohne vorherigen Kontakt mit dem Vermieter oder Makler.
  • Onlinebetrüger gibt es oft nur virtuell. Sie besitzen in der Regel kein Büro und sind telefonisch nicht erreichbar. Auch die angebotene Wohnung gibt es nicht. Checken Sie deshalb diese Punkte und übergeben Sie die Unterlagen am besten persönlich vor Ort im Büro des Vermieters.
  • Verlassen Sie sich nicht auf Webseiten und Papier. Gehen Sie vor Ort und suchen Sie das persönliche Gespräch im Büro des Maklers/Vermieters.
  • Kriminelle bieten oft Ferienwohnungen an und können diese dann natürlich auch mit Ihnen besichtigen. Sprechen Sie mit Nachbarn. Diese können oft wertvolle Tipps geben und wissen in der Regel, dass es sich um eine Ferienwohnung handelt. Auch wenn die Nachbarn nur wissen, dass dort ständig wechselnde Leute wohnen, ist das ein Zeichen Abstand zu nehmen.
  • Machen Sie auf Kopien alle Informationen unkenntlich, die der Vermieter nicht benötigt. Bei der Gehaltsabrechnung ist für den Vermieter beispielsweise die Personalnummer, Krankenkasse oder Kostenstelle unwichtig. Auch der Kontakt zur Personalabteilung ist in der Regel nicht von Bedeutung und kann geschwärzt werden.
  • Der Mietpreis in der gefundenen Anzeige liegt unter den Mietpreisen, die in dem jeweiligen Viertel üblich sind? Sollte Ihnen ein Angebot besonders günstig vorkommen, dann sollten die Alarmsignale angehen.

Wer haftet für den Verlust des Gehalts?

Spannend ist die Frage, wer für den Verlust der Lohnzahlung haftet. Schließlich erhält der Mitarbeiter plötzlich kein Gehalt mehr auf sein Konto. Der Arbeitgeber kommt seiner Pflicht den Lohn an den Mitarbeiter zu zahlen praktisch nicht nach, da er auf die Betrugsmasche hereingefallen ist. Wir haben dazu mit Rechtsanwalt Daniel Loschelder von der Münchner Anwaltskanzlei Loschelder Leisenberg gesprochen. Er meint:

Es kommt letztlich auf den Einzelfall an. Handelt der Arbeitnehmer besonders fahrlässig und kann ihm eine Mitschuld nachgewiesen werden, so wird er ganz oder teilweise auf dem Schaden sitzen bleiben. In der Regel haftet jedoch der Arbeitgeber, wenn er nicht sicherstellt, dass die Änderung der Bankverbindung tatsächlich auf Wunsch des Mitarbeiters erfolgt.Rechtsanwalt Daniel Loschelder am 14.01.2019

Wir raten Unternehmen zu folgenden Sicherheitsmaßnahmen, mit denen sich Unternehmen gut absichern können:

  • Ändern Sie wichtige Stammdaten wie den Zahlungsweg oder die Bankverbindung nicht auf Zuruf. Richten Sie Formulare im Intranet oder auf Papier ein, auf die nur Mitarbeiter Zugriff haben.
  • Vor der Änderung der Bankverbindung sollte die Personalabteilung sich bei dem Mitarbeiter vergewissern, wenn kein persönlicher Kontakt vorliegt. Hierzu sollten Sie nur bereits bekannte Kommunikationswege nutzen. Antworten Sie nicht auf die E-Mail, von der der Wunsch nach einer Änderung der IBAN gesendet wurde.
  • Bestätigen Sie die Änderung der Bankverbindung am besten schriftlich auf dem Postweg.


Wurden Sie bei der Wohnungssuche schon betrogen?

Falls Sie bei der Suche einer neuen Mietwohnung ebenfalls schon mit Betrügern zu tun hatten, dann senden Sie uns gerne eine E-Mail an kontakt@onlinewarnungen.de. Wir berichten regelmäßig über neue Maschen, um andere Nutzer zu warnen.

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