Finanzieren zu 0 %: Was ist dran? – Hintergründe und Alternativen

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Symbolbild (Quelle: pixabay.com/3dman_eu)

Immer wieder tauchen sie verstärkt auf: Kreditangebote zu 0 % von Möbelhäusern, Elektronikanbietern und Autohäusern. Sie sind verlockend und ziehen all diejenigen an, die das nötige Geld für die geplante Anschaffung nicht flüssig haben. Was steckt dahinter? Können Sie dabei wirklich sparen?

Jeder kennt es: Finanzierung zu 0% liest man neben der Werbung auch immer wieder in den Geschäften. Doch was bedeutet das überhaupt und gibt es Alternativen?

Die Marktstudie 2016 Konsum und Kfz-Finanzierung der GfK Finanzmarktforschung (im Auftrag des Bankenfachverbandes e.V.) zeigt, dass 61% der Befragten nur deshalb eine Kaufentscheidung getroffen haben, weil sie die Möglichkeit der Finanzierung nutzen konnten. Verbraucherschulden sind in Deutschland an der Tagesordnung. Doch wie verdienen die Händler an solchen Angeboten? 

Was ist eine 0 %-Finanzierung?

Eine 0 %-Finanzierung ist eine Kreditvereinbarung, bei der der Verbraucher einen Kredit bei einem Kreditinstitut abschließt, das Geschäftspartner/Kooperationspartner des Elektronikfachmarkts, Autohändlers, Küchenstudios etc. ist. Im Grunde handelt es sich um einen ganz typischen Ratenkredit mit festen Laufzeiten und einer fest vereinbarten Rate. Zinsen fallen auf dem Papier nicht an. Der Käufer geht ein verbindliches Rechtsgeschäft mit der finanzierenden Bank ein.

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Wer profitiert von einer 0 % Finanzierung?

Händler wollen den Umsatz steigern und das funktioniert mit einem 0 %-Finanzierungsangebot gut. Für sie lohnt sich das Geschäft, da auch Kunden ohne Geld in der Tasche einkaufen können. Das Prinzip funktioniert online wie offline. Der Händler kalkuliert eventuelle Kosten in den Verkaufspreis ein: „Ein Geschenk an den Kunden ist damit nicht verbunden, denn auch versteckte Kosten werden in der Preiskalkulation des Händlers berücksichtigt“, heißt es bei der Verbraucherzentrale, die zudem weiter erläutert: „‚Null-Prozent- Finanzierung‘ bedeutet nicht automatisch, dass die Ware selbst günstig erworben wird – sie kann vielmehr deutlich teurer sein als bei anderen Anbietern.“. In der Gesamtkostenbetrachtung hat der Kunde durch den Kauf per Darlehen nicht immer einen finanziellen Vorteil. Ganz abgesehen von einer möglichen Überschuldung werden bei dem schnellen 0% Kredit selten Preisvergleiche angestellt. Dafür profitiert die finanzierende Bank von diesem vermeintlich verbraucherfreundlichen Angebot. Sie erhält nämlich einen neuen Kunden, den sie langfristig zu binden versucht. Das ist legitim und geschieht mit zusätzlichen Optionen zum Kredit oder weiteren Angeboten für Darlehen. Wer einmal per Kredit gekauft hat, wird oft auch bei weiteren Angeboten schwach. Für Kaufinteressenten gilt jedoch folgendes:

Bietet ein Händler eine Ware mit einer 0 %-Finanzierung an, sollte er nach demselben Produkt bei anderen Anbietern Ausschau halten. Er wird es mit unter Umständen anderswo günstiger finden.

Auch das NDR-Magazin Panorama 3 hat vor längerer Zeit die 0% Finanzierungen näher unter die Lupe genommen. Die Journalisten erklären, welche Fallen lauern und was Kreditinstitute von dem Geschäft ohne Zinsen haben:



Alternative für kostenbewusste Verbraucher

Bevor Verbraucher eine 0 %-Finanzierung bei irgendeinem Anbieter unterzeichnen, sollten sie prinzipiell Vergleichsangebote anderer Händler und Banken einholen. Die Kredit Zinsen der deutschen Banken lassen sich am besten online in einem der zahlreichen Vergleichsrechner zum Vergleich von Kreditangeboten ermitteln. Unter Angabe von Nettokreditbetrag, Laufzeit und Verwendungszweck sind die Details der Angebote sofort ersichtlich. Monatsrate, Sollzins und der effektive Jahreszins werden aufgelistet. Verbraucher können Kontakt zu einem Kreditvermittler aufnehmen und eine Finanzierungsanfrage stellen. Um diesen schnellen und transparenten Service in Bezug auf Anbieter von 0 %-Kaufangeboten sinnvoll auszunutzen, stehen zwei Wege offen.

  1. Den Verkäufer nach einem Nachlass für Barzahlung fragen und anderweitig finanzieren
    Bei typischen finanzierbaren Anschaffungen ist es in der Regel möglich, dass Anbieter bei Barzahlern mit dem Preis runtergehen. Verbraucher sollten deshalb gezielt nachfragen: „Was können Sie nachlassen, wenn ich bar bezahle?“ Händler, die 0 %-Finanzierungen anbieten, haben oftmals keinen Verhandlungsspielraum, wie die Verbraucherzentrale im oben zitierten Artikel erläutert. Würden sie einen günstigeren Preis gewähren, ließen sie sich einerseits in die Karten schauen und andererseits würden sie es ihren Kunden ermöglichen, anderswo günstiger zu finanzieren. Gerade das gilt es zu vermeiden. Allerdings sollte auch bedacht werden, dass die Finanzierung immer ein optionales Angebot ist – fast alle Händler bieten mehrere verschiedene Finanzierungspreise an.
     
    Doch manche Händler arbeiten tatsächlich kundenorientiert und scheuen die Konkurrenz nicht. Sie gewähren einen Barzahlungsrabatt. Den neu ausgehandelten Preis sollten Kaufinteressenten rasch online in einer Kredit-Vergleichsdatenbank eingeben und die Angebote prüfen. Oft ergibt sich dadurch unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten ein günstigerer Endpreis im Vergleich zum ursprünglichen Händlerangebot. Ist das nicht der Fall, empfiehlt sich die Suche nach demselben Produkt bei einem anderen Anbieter, der keine 0 %-Finanzierung anbietet. Dann greift Möglichkeit zwei.
  2. Produkt anderswo günstiger finden und selbst finanzieren
    Falls der ursprüngliche Anbieter mit seinem Preis nicht heruntergeht, wenn Verbraucher das Finanzierungsangebot nicht annehmen wollen, ist generell Vorsicht geboten. Verbraucher sollten  unbedingt Zeit investieren und das gewünschte Produkt bei einem anderen Anbieter ausfindig machen. Dieser wartet im besten Fall nicht mit einer 0 %-Finanzierung auf, sondern bietet es zum Abhol- oder Barpreis an. Mit diesem Preis surfen Verbraucher nun erneut zum Vergleichsportal und holen sich Angebote der Finanzierer ein. In der Regel ist das die beste Option, um eine Ware aus Sicht von Verbrauchern fair zu finanzieren.

Achtung: Auf dubiose E-Mails mit Kreditangeboten sollten Kaufinteressenten nicht reagieren, sondern bei seriösen Vergleichsportalen Informationen einholen.



Vorteile der 0 %-Finanzierung für Verbraucher

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine 0 %-Finanzierung auch Vorteile hat. Diese beschränken sich allerdings auf lediglich 3 Aspekte.

  • Verbraucher können ein Produkt kaufen, obwohl sie nicht liquide sind. Die Finanzierung ist ohne zusätzliche Kosten für den Verbraucher.
  • Finanzielle Engpässe lassen sich einfach und schnell überbrücken.
  • Angelegtes Kapital muss nicht angetastet werden.

Nachteile der 0 %-Finanzierung für Verbraucher

Im Vergleich zu den Vorteilen sind auch Nachteile der 0-%-Finanzierung denkbar. Die Hintergründe der wesentlichen Nachteile sind weiter oben bereits ausführlich erläutert. Hier folgt noch einmal eine explizite Zusammenfassung in Kurzform.

  • Waren einer 0 %-Finanzierung können teurer als bei anderen Anbietern sein – zumindest dann, wenn der Händler versteckte Kosten in die Preiskalkulation einberechnet.
  • Die Verbraucherschützer warnen, dass eine 0 %-Finanzierung zu unüberlegten Konsum verleitet. Verbraucher kaufen mehr, als sie sich leisten können.
  • Lange Laufzeiten ziehen kleine Raten nach sich und lenken den Fokus des Verbrauchers vom Gesamtpreis der Ware ab. Doch wer sich auf mehrere kleine Ratenverträge einlässt, verliert rasch den Überblick über die privaten monatlichen Verpflichtungen. Hier droht die Schuldenfalle zuzuschnappen. Schuldner entkommen ihr oft nur mit professioneller Unterstützung der Schuldnerberatung.

Fazit: 0 %-Finanzierung mit Vorsicht genießen

Die Angebote der Händler in Sachen 0 %-Finanzierung sind so leicht und unkompliziert anzunehmen, dass sie zu unüberlegten Käufen verleiten. Zudem verfolgen Händler Umsatzziele und haben das Wohl des Kunden wahrscheinlich erst an zweiter Stelle im Auge. Und es kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Verkäufer haben keine Ausbildung im Kreditwesen. Sie können ihre Kunden nicht über die Gefahren und Risiken der avisierten finanziellen Verpflichtung aufklären und wichtige Detailfragen oft nicht beantworten. Die Beratung hinsichtlich der Finanzierung der verkauften Produkte ist entsprechend lückenhaft. Das volle Risiko trägt der Verbraucher.



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