Warnung vor Abzocke am Telefon: Vermeiden Sie das Wort „Ja“

Nicht "Ja" sagen!

Warnung vor Abzocke am Telefon: "Hören Sie mich?"
Am Telefon sollten Sie nicht mit "Ja" antworten. Andernfalls können Sie Opfer von Betrügern werden. (Quelle: pixabay.com/Alexas_Fotos)

Mit einer neuen Masche versuchen Betrüger, die Verbraucher am Telefon hinters Licht zu führen. Das Einzige, worauf die Anrufer aus sind, ist ein deutliches „Ja“ von Ihnen. Wie die Masche genau abläuft, was Sie tun können, um nicht „Ja“ zu sagen und wie Sie sich gegen unberechtigte Forderungen wehren, erfahren Sie in diesem Artikel.

So neu ist die Masche dann aber doch nicht. Die Abzock-Methode per Telefon kommt wohl ursprünglich aus den USA. Mit einfachen Fragen versuchen Kriminelle, Ihnen ein „Ja“ zu entlocken. Dieses zeichnen sie auf und legen Ihnen anschließend eine Rechnung vor. Wollen Sie gegen die Rechnung vorgehen, wird Ihnen der angebliche Telefonmitschnitt vorgehalten.

Derzeit gibt es immer mehr Meldungen bei den Verbraucherzentralen und Onlinemagazinen, wo sich vermeintliche Opfer dieser Telefon Abzocke melden. Teilweise berichten diese sehr detailgetreu über die Anrufe. Teilweise werden durch diese Masche Zeitschriftenabos, Forderungen aus Gewinnspielen oder Forderungen von Inkassobüros unter die Leute gebracht. Doch Sie können sowohl vorsorgen als auch sich gegen diese Forderungen zur Wehr setzen. Wir verraten wie.

So läuft die Telefon Abzocke ab

Sie bekommen einen Anruf von einer unbekannten oder gar unterdrückten Rufnummer. Am anderen Ende der Leitung hören Sie entweder eine Computerstimme oder wissen anhand der Geräuschkulisse, dass Sie aus einem Call Center angerufen werden. Teilweise wird der Anfang des Gesprächs verzögert. Danach werden Ihnen einfache Fragen gestellt. Folgende Fragen sind uns bisher bekannt:

  • Hören Sie mich?
  • Können Sie mich jetzt hören?
  • Sind Sie Hauseigentümer?
  • Bin ich richtig bei …?

Auf diese Fragen ist schnell mit einem „Ja“ geantwortet. Doch genau dies sollten Sie nicht tun.

Teilweise wird in den Medien auch davon berichtet, dass Sie in ein Gespräch verwickelt werden. Da geht es plötzlich um ein kaputtes Telefon und einen Test mit der anschließenden Frage, ob man den Anrufer hören kann. Auch in dieser Situation sollten Sie nicht mit einem „Ja“ antworten.

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Warum ist das „Ja“ sagen so gefährlich?

Die Betrüger machen eine Aufzeichnung des Telefonats. Rechtlich gesehen, dürfen Sie dies eigentlich nicht ohne Ihre Zustimmung. Trotzdem funktioniert der Trick, da Sie ja nicht wissen, dass eine Aufzeichnung stattfindet. Die Betrüger schneiden im Anschluss digital eine Frage vor Ihr „Ja“. Diese könnte zum Beispiel lauten: „Möchten Sie dieses Abo zum Preis von 19,90 Euro pro Monat und 24 Monaten Laufzeit bestellen?“ Die Möglichkeiten sind hier fast unbegrenzt.

Wie können Sie ein „Ja“ am Telefon vermeiden?

Das ist einfach wie schwer und Bedarf ein bisschen Übung im Alltag. Probieren Sie, auf geschlossene Fragen nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten. Antworten Sie lieber ausführlich. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

Können Sie mich hören? Ich kann Sie hören.
Sind Sie Hauseigentümer? Ich bin Hauseigentümer.
Geht es Ihnen gut? Mir geht es gut. Schön, dass Sie nachfragen.
Scheint bei Ihnen die Sonne? Heute scheint die Sonne. Es ist schönes Wetter.
Haben Sie ein Auto? Ich habe ein Auto.

Diese Liste ließe sich beliebig erweitern. Wenn Sie das ausführliche Antworten im Alltag üben und Sie Ihr Gegenüber darum bitten, aufzupassen, dass Sie nicht mit „Ja“ antworten, haben Sie den Dreh relativ schnell raus und antworten auch am Telefon nicht mehr in der Kurzfassung.

Hinweis: Melden Sie sich nicht mit „Ja“ am Telefon. Denn auch dieses verwenden die Betrüger gegen Sie. Sagen Sie lieber „Hallo“ oder melden Sie sich mit Ihrem Namen.



Sind Sie auf die Masche hereingefallen? Müssen Sie zahlen?

Sie haben einen dieser Anrufe erhalten und im Anschluss eine Rechnung bekommen? Dann können Sie sich durchaus zur Wehr setzen. In einem Blog-Post rät die auf IT-, Medien- und Internetrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei Wilde Beuger Solmecke:

[…] Darüber hinaus ist ein solcher Mitschnitt nur dann verwertbar, wenn sie ihm zugestimmt haben. Ansonsten besteht gewöhnlich ein Beweisverwertungsverbot. Sie sollten daher keinesfalls zahlen. Vielmehr sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt oder Verbraucherzentrale wenden. Ferner kommt hier auch eine Strafanzeige infrage. Denn es handelt sich hier um gewerbsmäßig begangenen Betrug im Sinne von § 263 Abs. 3 StGB. […]Rechtsanwaltskanzlei Wilde Beuger Solmecke Rechtsanwälte

Auch die Verbraucherzentrale NRW gibt den Ratschlag, die Rechnung nicht zu zahlen:

Sie sollten sie jedoch nicht einfach ignorieren, sondern sich dagegen wehren.Verbraucherzentrale NRW

Wie können Sie sich gegen die Forderungen wehren?

Nehmen Sie am besten direkt Kontakt mit der nächsten Beratungsstelle der Verbraucherzentrale auf und lassen Sie sich dort individuell zu Ihrem Fall beraten. Alternativ hilft Ihnen sicher auch der Rechtsanwalt Ihres Vertrauens.

Quellen



Haben Sie einen Abzocke-Anruf erhalten?

Und können Sie die Liste der Fragen noch mit anderen Fragen der kriminellen ergänzen? Dann nutzen Sie die Kommentare unterhalb des Artikels oder schreiben Sie eine E-Mail an kontakt@onlinewarnungen.de. Uns interessiert vor allem, wie die Betrüger anschließend an Ihre Adresse gekommen sind, um die Rechnung zuzustellen. Durch Ihre Erfahrungen helfen Sie anderen Lesern, sich ein konkretes Bild von dieser Betrugsmasche zu machen.

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7 Kommentare zu Warnung vor Abzocke am Telefon: Vermeiden Sie das Wort „Ja“

  1. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen wäre, das Gespräch seinerseits mitzuschneiden. Wenn man z.B. auf dem Festnetz angerufen wird, das Handy dazu nehmen. Dann hat man zumindest etwas in der Hand.

  2. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Es ist schön hiervon zu lesen. Nach meiner Meinung gehört so ein Verhalten von Firmen als etwas was man im Strafrecht verfolgen sollte. Leider ist hier die Beweislage für den Laien schwer und wer mag sich bei so einem Ereignis denn auch noch um einen Anwalt bemühen. Es wäre schön, wenn der Gesetzgeber hier Abhilfe schaffen könnte.

  3. Den Artikel finde ich inhaltlich insgesamt nicht so glücklich. Es ist doch Unsinn, sich fürs Telefon das „Ja“ abzutrainieren. Ich prophezeie: Der Anruf-Betrüger wird Sie irgend wann kalt erwischen. Die Warnung an sich ist dennoch sinnvoll. Man sollte, wenn man einen solchen Anruf erhalten hat, Datum und Uhrzeit notieren und den Gesprächsverlauf (ungefähr, aus dem Gedächtnis) und die Notiz aufheben. Und nicht zahlen, sondern gleich mit der späteren Zahlungsaufforderung und der Tel.-Notiz zur Polizei gehen und Betrugsanzeige erstatten.